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Alarm bei der Feuerwehr

Porträt des Feuerwehrmannes Gerhard Kuhnert
Zugführer Gerhard Kuhnert, gebürtiger Neuköllner, ist seit 29 Jahren bei der Berliner Feuerwehr. Foto: Ch. Eckelt

Zwei Drittel aller Einsätze fahren die drei Rettungswagen (einer wird vom Deutschen Roten Kreuz betreut), den Rest zwei Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeuge und ein Leiterwagen. Zugführer Gerhard Kuhnert (49), Neuköllner, seit 29 Jahren bei der Berliner Feuerwehr, berichtet aus dem Alltag der höchst belasteten Wache Berlins.

Die hohe Zahl alter Menschen und entsprechender Krankheiten führt zu häufigen Einsätzen, auch mit Notarzt. Missbrauch von Alkohol und Tabak nehmen schon bei jüngeren Menschen zu. So kam die Besatzung des Rettungswagens eines Abends in die "völlig verrauchte" Wohnung eines Paares, die Frau hatte beim Fernsehen Atemnot bekommen. "Wir konnten nur raten, weniger zu rauchen und besser zu lüften", erzählt Gerhard Kuhnert.

Im Brandfall werden die großen Lösch- und Leiterwagen am Einsatzort häufig behindert. "Die Bereitschaft, sich an Vorschriften zu halten, gibt es kaum noch."  Feuerwehrzufahrten würden zugeparkt, Autos an den Ecken abgestellt. "Uns kann wertvolle Zeit zur Rettung von Menschen verloren gehen."

Am Notruf 112 drücken sich die Anrufer häufig unklar aus. "Migranten sind mit den Vorschriften für die Gebäudesicherheit oft nicht vertraut und geraten im Brandfall leicht in Panik. Uns wurde seitens der Politik empfohlen, doch vor Ort ein fremdsprachiges Band über Lautsprecher abzuspielen. In welcher Sprache denn, hier in unserem internationalen Kiez mit  so viel Kulturen? Wir müssen eigentlich Veranstaltungen machen, das richtige Verhalten im Brandfall schulen und klar sagen, dass jeder Zuwanderer gleich welchen Alters schon aus Sicherheitsgründen Deutsch können sollte." 

Das verhindere der wachsende Alarm und der Stellenabbau durch den Senat bei der Berliner Feuerwehr. Von den 3500 Leuten der Berliner Berufsfeuerwehr, ergänzt durch 1100 Freiwillige, sind in der Kirchhofstraße 84 im Einsatz. Das bei 96 liegende Soll muss laut Planstatistik auf 78 sinken. "Der Alarm kommt aber nicht nach Statistik, und in Neukölln sind wir besonders ausgelastet", stellt der erfahrene Zugführer Kuhnert fest.

Mit zwanzig ging der gelernte Dachdecker zur Feuerwehr, studierte berufsbegleitend Psychotherapie und hat als Zugführer im Wechsel mit drei weiteren Kollegen die Verantwortung für den Zugeinsatz  rund um die Uhr. "Eigentlich dachte ich, mit 55 aus dem aktiven Einsatz ausscheiden zu können. Der Stellenabbau führt aber auch zu Beförderungsstopp. Wir müssen uns alle darauf einstellen, bis 60 draußen die harte Arbeit zu machen. Untereinander können wir uns nur menschlich motivieren."

Text: T. Hinrichsen/ Promenadenpost 4/2007