Baumscheiben im Schillerkiez
Die Sache mit dem Kabel: Ein Bericht
Um möglichst lebhaft darzustellen, wie in der Praxis ein QF1-Projekt entsteht und ablaufen kann, hat das Quartiersmanagement einen Antragsteller darum gebeten, in dieser Ausgabe von seinen Erfahrungen zu berichten. Dass die Durchführung eines solchen Projekts sogar recht abenteuerlich von statten gehen kann, zeigt der folgende Bericht von Marina Koch von der Initiative „Hofgruppe Lichtenrader Straße 40/41“.
Wenn man so die Bäume im Schillerkiez sieht und ihnen auf die Füße schaut, sieht man: Hundekot ohne Ende oder Müll. Nicht gerade schön, oder? Einige unserer Kiez-Mitbewohner haben ja bereits Baumscheibenumrandungen gebaut und damit das Schlimmste verhindert – es schützt die Bäume und auch unsere Nasen und Augen. Daher beschlossen auch wir: Eine Umrandung muss her, damit es vor unserer Tür nicht mehr so stinkt und die Baumscheibe langfristig einen schöneren Anblick bietet. Also flugs einen QF1-Antrag beim Quartiersmanagement gestellt. Da wir bereits im Jahr 2008 ein Projekt im gleichen Fördertopf durchgeführt haben – dabei ging es um den Bau einer Kommunikationsplattform auf unserem Hof – müssen wir hierzu auch die Antragssteller-Beratungssprechstunde im Quartiersmanagement (Mo-Mi, 16-18:00 Uhr) nicht in Anspruch nehmen.
In dem Antrag stellten wir dar, was unser Projekt beinhaltet und was wir damit bezwecken wollen. Neben der Auflistung des Anteils unserer ehrenamtlichen Arbeit im Rahmen des Projekts (laut Antrag erforderlich) listen wir im Finanzplan die benötigten Materialkosten (insgesamt 140 Euro).
Das Projekt wurde durch die Vergabejury (bestehend aus Kiezbewohnern und Akteuren) befürwortet. Nach ein paar weiteren Formalitäten - als Auflage durch das Quartiersmanagement erhielten wir z.B. einen Flyer mit Richtlinien des Bezirksamts zur korrekten Einfassung von Baumscheiben – konnte es losgehen. Materialeinkauf, erstes Treffen: Wir befestigten als erstes die Holzpfosten in den Bodenhülsen. Das waren bereits für 3 Leute mit mehr oder weniger Anpacken 4 Stunden Arbeit.
Nach einer Bodenausschachtung für die Pfostenanbringung in der darauf folgenden Woche passierte es: Wir schlugen die Hülsen rund um unseren Baum ein und trafen flugs in nur 50 cm Tiefe ein Kabel! Wir haben dadurch die Stromversorgung der Lichtenrader Straße von der Kienitzer bis zur Allerstraße für ca. 3 Stunden lahmgelegt. Vattenfall kam und Tiefbauamt. Meldungen gingen an die Haftpflichtversicherungen. Der Schaden wurde behoben.
Schließlich nahmen wir all unseren Mut zusammen um unser Werk noch zu vollenden. Wir besorgten Erde und Mulch, machten noch mal einen Erdabhub mit ca. 15 cm Tiefe, brachten die Erde und den Mulch auf, spannten auf der Straßenseite der Baumscheibe einen Kaninchendraht (behindert keine Autotüren) und pflanzten die ersten Testpflanzen. Schließlich trugen wir auf dem Holz Schutzöl und „Hundeabschreckspray“ auf. Unser Ziel ist fast erreicht. Wenn nur nicht ein unbekannter Raucher die Baumscheibe als Aschenbecher benutzen würde – aber vielleicht fällt uns hierzu auch noch ein Projekt ein.
Von Marina Koch









