Die wissen, dass sie mich ansprechen können
Sascha Benger ist seit 18 Jahren Polizist. Seit 2002 ist er im Abschnitt 55 tätig und somit auch für den Schillerpromenade-Kiez zuständig.
Maren Sauer von der Promenadenpost sprach mit ihm über seine Arbeit und über den Mensch in der Uniform.
PP: Haben Sie die Entscheidung, sich nach Nord-Neukölln versetzen zu lassen, jemals bereut?
Sascha Benger: Nein, ich würde mich auch heute wieder für diese Dienststelle entscheiden. Es pulsiert hier einfach. Und außerdem komme ich hier mit meiner Art, direkt und aufgeschlossen auf die Menschen zuzugehen, sehr gut an. Vor allem bei Jugendlichen. Die wissen, dass sie mich ansprechen können und tun das auch.
PP: Aber es gibt sicher auch unangenehme Begegnungen mit Jugendlichen?
S. B.: Klar, manchmal muss ich doch einen festnehmen, der was angestellt hat. Denn unsere Präventionsmaßnahmen verhindern leider nicht immer, dass jemand zum Täter oder zum Opfer wird.
PP: Wie sieht die Prävention im Kiez aus?
S. B.: Einerseits machen wir Anti-Gewalt-Trainings in Schulen und bei freien Trägern. Und andererseits kriege ich durch den engen Kontakt zu den Anwohnern sehr viel mit. Zum Beispiel, wenn Kids gefährdet sind, auf die schiefe Bahn zu geraten. Denen sage ich dann ganz klar: "Wenn ihr so weiter macht, werde ich irgendwann bei euch zu Hause sein. Und das mache ich dann, weil ich euch helfen will." Sie sollen schließlich erleben, dass Polizei nicht automatisch Strafe, sondern auch Hilfe bedeutet.
PP: Kommt das bei den Eltern auch so an?
S. B.: In der Regel ist deren Bereitschaft zuzuhören, sehr groß. Die brauchen vor allem Unterstützung und sind unglaublich dankbar, wenn man sich Zeit für sie nimmt und sich ihre Probleme anhört. Trotz drohender Überstunden und obwohl es wahnsinnig an die Substanz geht, sich so einzubringen.
PP: In solchen oder anderen Situationen stoßen Sie vermutlich auch an sprachliche Barrieren?
S. B.: Leider, ja. Deshalb will ich auch irgendwann Türkisch verstehen. Einfach, um der türkischen Frau helfen zu können, die nachts auf die Wache kommt, weil sie häusliche Gewalt erlebt hat. Das geht eben nur über das Verstehen. Umgekehrt möchte ich bei jemandem, der unsere Hilfe in Anspruch nimmt, aber auch sehen, dass er lernen will, wie unsere Gesellschaft funktioniert.
PP: Wie funktioniert sie denn? Oder: wie würde sie besser funktionieren?
S. B.: Alle – vom Kind bis zum Erwachsenen – müssen viel mehr aufeinander achten. Und darauf, dass von der Gesellschaft aufgestellte Regeln eingehalten werden.









