Logo Europäische UnionLogo Bundesregierung
Logo Europäischer Fonds für regionale Entwicklung Logo Stadt Berlin
Logo Soziale StadtLogo Bezirk Neukölln

Promenadenpost

Die Aktuelle Ausgabe Nr. 04 (Dezember 2011)
mehr

Aktuelle Termine

Derzeit keine aktuellen Veranstaltungen.

Ein Kosmopolit im Kiez

Proträt des indischen Tabla-Spielers Pandit Sankah Chatterjee
Pandit Sankah Chatterjee fühlt sich in Neukölln wie zu Hause. Foto: W. Mateyka

Pandit Sankha Chatterjee ist ein bekannter Mann. Auf der ganzen Welt ist er den Freunden indischer Musik bekannt wegen seines Tabla-Spiels. Er ist in der Westminster Abbey/ London aufgetreten, hat in der Hochschule der Künste unterrichtet und gemeinsam mit Karlheinz Stockhausen gespielt.

Die Tabla ist eine Art Trommel und trägt neben der Citar die klassische indische Musik. Pandit Sankha Chatterjee hat in seinem Heimatland schon ganz früh mit dem Musizieren begonnen. Bis heute ist es seine Sprache. Auch während des Interviews fängt er immer wieder an, mit den Händen auf der Tischplatte seine Worte mit Rhythmen zu unterstreichen.

Ulla Hömberg (UH) von der Promenadenpost hat Pandit Sankha Chatterjee interviewt:

UH: Herr Chatterjee, wann und warum kamen Sie nach Berlin?

CH: Das war Anfang der 60-er Jahre. Ich gab ein Konzert und bekam daraufhin das erste DAAD-Stipendium für eine indische Person.

UH: Damals gab es nicht viele Inder in Berlin. Wie sind Sie aufgenommen worden?

CH: Gut. Unter Musikern ist das überall sehr einfach. Man hat dieselbe Leidenschaft und eine gemeinsame Sprache, die Musik.

UH: Die klassische indische Musik wurde ursprünglich im Tempel gespielt. Inwiefern ist Ihnen die Musik auch heute noch heilig?

CH: Ich habe großen Respekt. Auch vor dem Instrument. Schon in der Bhagwat Gita, einem spirituellen Lehrbuch steht, dass Gott sich in Musik ausdrückt. Es ist für mich die natürlichste Art Kontakt aufzunehmen.

UH: Herr Chatterjee, sind Sie ein Guru?

CH: Ein Guru ist eine Person, die es schafft, eine Person aus deren Dunkelheit zu befreien. Das kann spirituell oder musikalisch gemeint sein. Ob ich das kann, müssen andere Menschen entscheiden.

UH: Sie geben Konzerte rund um den Globus. Was fesselt Sie an Berlin?

CH: Es sind meine Schüler. Sie sind mir über die Jahre eine Art Familie geworden. In Indien lebt zwar meine Tochter, Sangeeta Bandyopadhyay, eine bekannte Sängerin, aber sie hat ihr eigenes Leben. Meines ist hier.

UH: Und Neukölln. Was mögen Sie hier?

CH: Die Wohnung hat mir 1980 ein Schüler besorgt. Sie war billig und in einem internationalen Kiez. Da fühlte ich mich gleich ein bisschen wie zu Hause in Kalkutta: Pakistani, Araber, ein buntes Gemisch auf den Straßen. Ich gehe gerne in der Hasenheide spazieren und schaue mir am Hermannplatz die Schaufenster an.

UH/ QM