KulturTatort Schillerkiez

Top Themen

  • Donnerstag, 29.07.2010

    Trödelmarkt am Wartheplatz

    Am 11. September veranstaltet die Nachbarschaftsinitiative der Warthe 60 und des Warthe-Mahls einen Trödelmarkt am Wartheplatz. Alle Anwohner können an der Aktion teilnehmen und einen eigenen Stand betreiben. [mehr]
  • Freitag, 23.07.2010

    Nacht und Nebel

    Die Kunstaktion Nacht und Nebel findet in diesem Jahr am 6. November zwischen 18.00 und 24.00 Uhr statt. Wer an der Veranstaltung in Neukölln als Künstler teilnehmen möchte, sollte ... [mehr]
  • Donnerstag, 15.07.2010

    KulturTatort

    Der Flyer zu den Rundgängen. Foto: KulturTatort
    Auch in den kommenden Wochen führen Dackel Dagmar und Frauchen Ingrid Brügge wieder durch den Schillerkiez. Zwei- und vierbeinige Interessierte können so den Kiez und seine kulture ... [mehr]
  • Dienstag, 13.07.2010

    Gedenkveranstaltung

    Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung in der Genezarethkirche am Herrfurthplatz haben am Sonntag mehr als 200 Menschen, darunter viele Freunde, Bekannte und Wegbegleiter der Jugendrichterin Kirsten Heisig gedacht. [mehr]
  • Freitag, 09.07.2010

    Ferien im Schillerkiez

    Endlich haben auch in Berlin die Sommerferien begonnen. Wer nicht in den Urlaub fährt, sondern den Sommer in der Hauptstadt verbringen möchte, muss deshalb nicht jeden Tag auf dem Balkon sitzen. [mehr]
  • Dienstag, 16.03.2010

    Kiezredaktionen suchen MitschreiberInnen

    Neue Mitschreiberinnen und Mitschreiber gesucht: Die Kiezzeitung "Promenadenpost" und das Kiezportal des QM Schillerpromenade freuen sich über ehrenamtliche Autoren. Die erste gemeinsame Redaktionssitzung findet am 29. März statt. [mehr]
  • Donnerstag, 17.06.2010

    Veranstaltungs-Website

    Neukölln hat ab sofort eine eigene, nicht kommerzielle und unabhängige Veranstaltungs-Website. www.neukoelln-update.de ist jetzt nach einjähriger Planung und Vorbereitung aktiviert worden und zeigt künftig in konzentrierter Form, was die Neuköllner Kunst- und Kulturszene zu bieten hat. [mehr]
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Entdeckungen

Das Cover der Broschüre "Entdeckungen"
Das Cover der Broschüre "Entdeckungen"

Ein Spaziergang durch Geschichte und Gegenwart der Schillerpromenade

"Die schönste Wohngegend Rixdorfs" nannte ein Hauswirt 1908 das Gebiet zwischen Tempelhofer Feld und Hermannstraße. Auf der Suche nach solventen Mietern warb er mit bequemer Verkehrsanbindung nach allen Richtungen, Wohnungen mit geräumiger Küche, Bad, eigenem Korridor und Klosett.

Das neue Viertel, geplant als bessere Wohngegend für zahlungskräftige Bürger, entstand zwischen 1890 und den frühen 1930er Jahren. An der Hermannstraße hatten sich bereits vor der Jahrhundertwende Vergnügungsetablissements wie die Kindl- und Viktoria-Festsäle angesiedelt, deren Theater, Tanzsäle und Biergärten Platz für viele Tausend Besucher boten.

Terraingesellschaften errichteten Musterhäuser, die Standards für die Bebauung der Parzellen vorgaben, zwei Schulen folgten und 1905 wurde die Genezareth-Kirche am Herrfurthplatz eingeweiht. Ein Bauboom begann.

Zwölf Geschichtspunkte im öffentlichen Stadtraum zeigen, wie es mit der Entwicklung in der Schillerpromenade weiterging. Sie beschreiben die Geschichte von Gebäuden und Plätzen oder erzählen von Menschen und Ereignissen.

Der Rundgang, Grundlage dieses Bildbandes, führt durch 100 Jahre Kiezgeschichte. Viele Gebäude sind bis heute erhalten, etwa die letzte Königlich- Preußische Baugewerkschule oder die Wohnanlage von Bruno Taut, einem der bedeutendsten Architekten der Moderne. Andere Orte, wie der Sportpark oder der größte Tanzpalast Rixdorfs, existieren dagegen nur noch auf Postkarten und in Erinnerungen.

Doch ein Viertel lebt nicht allein von Geschichte, sondern von den Menschen, die dort wohnen und arbeiten.

Einige von ihnen stellen sich in der Broschüre vor. In den Erzählungen der Händler, Künstler und Künstlerinnen, der Hausbesitzerin und der Mieterinnen, des Vogelzüchters oder des Predigers zeigen sich persönliche Ansichten und aktuelle Bilder von der Schillerpromenade. In ihren Augen erscheint der Kiez fast als paradiesische Insel in Berlin, auf der sich freilich noch einiges ändern könnte, wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun.

Das Heft ist kostenlos im Vor-Ort-Büro der BSG (Quartiersmanagement Schillerpromenade) in der Schillerpromenade 10 erhältlich.

Tempelhofer Feld. Soldaten, Schafe und Düsenjets
Das Tempelhofer dient seit 1722 als Exerzierplatz des Militärs, hundert Jahre später  gehört es zu den beliebtesten Ausflugsziele der Stadt.  „Auf der „größten Liegewiese Berlins" werden militärische Paraden, Sportfeste, Pferderennen und Attraktionen wie die Flugexperimente der Gebrüder Wright geboten.
Ab 1923 befindet sich hier der Berliner Zentralflughafen. Das NS-Regime erweitert ihn zum Weltflughafen, der vor allem militärischen Zwecken dienen soll.
Die Blockade 1948/49 macht den Flughafen weltberühmt. Alle drei Minuten landet ein „Rosinenbomber“, um die Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern zu versorgen.
Mit der Eröffnung des Flughafens Tegel und der Verlagerung des gesamten zivilen Luftverkehrs wird es vorübergehend ruhiger an der Schillerpromenade und man überlegt schon damals, das Gelände anders zu nutzen. Während Anwohner sich über Lärmbelästigung und Kerosingestank beschweren, genießen Reisende die innerstädtische Lage des Flughafens.
Solange der Groß­flughafen in Brandenburg nicht gebaut  wird, bleibt die Zukunft des Tempelhofer Feldes ungeklärt.
 
Konzept und Text von Claudia Rückert und Andrea Szatmary, Hrgb.: BSG Quartiersmanagement Schillerpromenade, Schillerpromenade 10, 12049 Berlin

nn

Das Schillerpalais, eine Keimzelle
Das Schillerpalais bietet Raum für Kultur und Kunst im Kiez, z.B. für Ausstellungen und Künstlersalons.
Sigrid Westenfelder und Nicole Hart­mann gehören zu den Initiatorinnen. Sie wünschen sich das Schillerpalais als einen Ort, an dem Künstler gemeinsame oder individuelle Projekte entwickeln kön­nen. Zur Zeit liegt der Schwerpunkt auf der bildenden Kunst, aber es sollen sich in Zukunft auch andere Kunstformen präsentieren, die z.B. auch experimenteller Art sind.
Als Treffpunkt für Künstler und Kunstinteressierte braucht das Schillerpalais natürlich früher oder später ein nettes Café.
 
Schillerpalais, Schillerpromenade 4, 12049 Berlin, schillerpalais.de
Öffnungszeiten: Di+Mi 10-16, Do—Sa 14—19
 

Die Promenade. Flaniermeile im Arbeiterbezirk
Mit dem Bebauungsplan von 1890 entsteht ein neues Viertel mit großzügigem Straßenraster, aufgelockert durch den Herrfurthplatz und eine 50 Meter breite Hauptachse: die Schillerpromenade. Prächtige Fassaden, platanengesäumte Bürgersteige und eine Promenade mit Parkbänken, Blumenrondells und englischem Rasen verleihen der Straße großbürgerliches Flair. In den 20er Jahren werden im Zuge von Sozialreformen auch Kinderspielplätze angelegt.
Im Jahr 2000 ist die Gegend heruntergekommen. Um das zu ändern erarbeiten eine Gruppe von Anwohnern und das Quartiersmanage­ment Verbesserungsvorschläge und  engagieren sich bei der Neugestaltung. Die Verantwortung für die grüne Mitte liegt jedoch bei allen.
 

Vögel verbinden
Herr Cevat Candemir ist Mitbegründer des "Vereins der Türkischen Kanarienliebhaber" Seit 15 Jahren züchtet er Kanarienvögel, seit sechs Jahren in diesem Laden. Tiere verkauft werden hier nicht.
Die Mitglieder treffen sich einmal im Monat, manche kommen auch häufiger vorbei. Man trinkt dann Kaffee und unterhält sich. Es gibt auch deutsche und arabische Mitglieder. Der Verein ist für alle offen.
"Die Vögel verbinden verschiedenste Menschen. Ob Doktor, Rechtsanwalt oder Arbeitsloser - es ist völlig egal, denn alles dreht sich um die Vögel......,hier im Verein glauben wir alle dasselbe: Der Kanarienvogel ist das Größte. "

Viktoria-Festsäle. Kino, Theater und Tanzpaläste
Auf dem Grundstück Hermannstraße 48/49 bieten Tanzlo­kale, Kaffeehäuser und Theaterbühnen ein umfangreiches Unterhaltungsangebot. 1892 finden allein in den Viktoria­Festsälen, dem "größten Tanzpalast Rixdorfs", 1800 Gäste Platz. Zelthallen, Kegelbahnen, ein Orchesterpodium und der Sommergarten kommen später dazu. 1904 wird der Garten geschlossen, um das Gewerbegebäude "Hermanns­hof" zu errichten.
Die Viktoria-Säle werden um 1900 zum Apollo-Theater umgebaut. Dort finden nicht nur Theateraufführungen und Konzerte, sondern auch Arbeiterversammlungen und Vereinsfeste statt. 1914 eröffnet das Palast-Kino Stern. Zehn Jahre später wird das Gebäude durch einen Brand zerstört und nach Entwürfen der Architekten Max Bischoff und Heinrich Möller wieder aufgebaut. Das Kino kann jetzt doppelt so viele Zuschauer aufnehmen. Durch Bombenschäden im 2. Weltkrieg wird das Gebäude erneut zerstört. Doch bereits 1946 kann man dort wieder Theaterstücke und Filme sehen.
In den 70er Jahren sinken die Zuschauerzahlen und das Kino wird geschlossen. Daraufhin zieht ein Supermarkt in das Gebäude und seit Ende der 90er Jahre mietet eine Second-Hand-Kette die Räumlichkeiten. Vom Palast-Kino Stern sind bis heute ein Teil der Bestuhlung, der Vorführ­raum und die Originaldecke erhalten.

nn

Brooklyn in Berlin 
Ruth und Daniel wohnen seit Okto­ber 2000 in der Schillerpromenade. Bevor die beiden nach Neukölln zo­gen, lebten sie im New Yorker Stadt­teil Brooklyn. Beide sind Künstler und im Schillerpalais aktiv.
 
Wie fühlt ihr euch in der Schillerpromenade?
Daniel: ...Für uns ist die Schiller­promenade ein Kurort. Ich fühle mich hier rundum wohl. Es hat was Dörfliches, klei­ne Straßen, wenig Verkehr, du hörst Vögel zwitschern, Kinder spielen und am Flug­hafen scheint das Meer anzufangen.
Ruth:...Was mir in der Schillerpromenade ge­fällt, ist diese Normalität. Das habe ich in New York vermisst. Dort sind alle Menschen jung, dynamisch, gut aussehend und wollen Karriere machen. Hier sieht man auch alte Menschen, große Familien und sehr viele unterschiedliche Kulturen. Es ist nicht so ge­trennt, und es scheint gut zu funktionieren.
 
Die Schillerpromenade, ein Melting-Pot?
Daniel:...Hier wohnen unglaub­lich viele Nationalitäten, und es entsteht der Eindruck, dass keine Mehrheit existiert, die Neuankömmlinge nicht finster beäugt werden, sondern dass alle hier angekommen sind. In der Hinsicht ist Neukölln wirklich das einzige multikulturelle Viertel in Berlin. Das erinnert mich ein bisschen an Brooklyn.

Hat sich eure Kunst in Berlin verändert?
Daniel:...In Berlin kann ich besser arbeiten. Vielleicht liegt es daran, dass New York ein unglaub­licher Zirkus ist. Man geht hin und fühlt sich wie auf Drogen. Es ist schwer, sein eigenes Ding zu machen, weil man so vielen Ein­flüssen ausgesetzt ist. Berlin ist zurückhal­tender und springt dir nicht so ins Gesicht.

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