Kleine Fluchten Ehrenamt
Monika Jurk ist mitten im Kiez und doch im Grünen

- Monika Jurk im Herbst 2009 mit ihrer "Laub-Beute". Sie liebt Schwarzweißbilder, weshalb wir ihrer Leidenschaft gerne entsprechen. Foto: S. Engelbrecht
Gärten, frisches Grün und schöne Blumen sind im Norden Neuköllns eher eine Seltenheit – und dies ganz besonders in diesem harten und langen Winter. Wenn es aber wieder wärmer wird und der Schnee getaut ist, blühen nur auf den Balkone die Blumen in allen denkbaren Farben, wie der Balkonblumenwettbewerb im vergangenen Jahr zeigte. Monika Jurk hat einen Weg gefunden, weiterhin im Kiez zu wohnen und dennoch jederzeit im Grünen zu sein. Die Seniorin kümmert sich ehrenamtlich um den Rasen vor der Genezarethkirche.
Was für viele eine lästige Quälerei darstellt, ist für Jurk eine Möglichkeit zum Ausgleich. Zwei mal die Woche „darf“ sie im Sommer den Rasen mähen. Im Herbst steht dann das Laub an. Die Straßen und Gehwege werden zwar von den abgefallenen Blättern gesäubert, doch der Rasen ist Privatgrundstück und gehört der Genezarethgemeinde. So war es auch im November vergangenen Jahres, als sich der Schreiber dieser Zeilen mit der im Kiez aufgewachsenen Frau zu einem Gespräch traf.
„Ich mache die Arbeit gerne. Es ist wie eine Art Kleingarten für mich“, erzählt die etwas fotoscheue Neuköllnerin und schiebt einen großen Berg Laub mit dem Rechen vor sich her. Auch könne sie sich wunderbar beim Unkraut rupfen entspannen. Hier finde sie den Ausgleich, der ihr ansonsten fehlen würde. Und ein eigener Garten oder eine Laube sei einfach finanziell nicht zu machen, räumt sie ein.
Die 62-Jährige beobachtet während ihrer Einsätze auch immer wieder mal seltsames. Das mit den Hunden sei zwar schon besser geworden, sagt sie mit Blick auf die Haufen, die in Neukölln seit Jahren ein großes Problem darstellen. Die vielen Schilder mit den durchgestrichenen Vierbeinern und die griffbereit aufgehängten Hundekot-Tüten würden dazu ihren Teil beitragen, vermutet sie. Manchmal ärgere sie sich aber schon. „Und gelegentlich packen manche auch ihre Stullen in den Tüten ein. Das finde ich wiederum sehr merkwürdig“, fügt sie hinzu und lächelt.
Doch ganz besonders ans Herz gewachsen ist ihr jedenfalls der „eigene“ Hof, etwas versteckt gelegen rechts vom Kircheneigang. Lauter Blumentöpfe stehen hier dicht an dicht. Hier kann ich eigentlich machen, was ich möchte. Keiner redet mir rein, welche Blumen ich anpflanzen möchte. Innerhalb der Absprachen bleibt mir viel Spielraum“, sagt sie.
Und spätestens jetzt wird klar, warum ihr das Ehrenamt so wichtig ist und die Verbindung zwischen Jurk und der Kirchgemeinde eine Partnerschaft ist, von der beide profitieren. Ein Stück Freiheit hat sie sich erarbeitet, jenseits der engen Hinterhöfe in Nord-Neukölln, Mitten im Trubel der Großstadt und doch ganz weit weg in der Natur, wenn sie es nur möchte. Ehrenamt kann Spaß machen und die Kirche spart sich die Gartenarbeit.
Wer auch an einer ehrenamtlichen Tätigkeit für die Genezarethgemeinde interessiert ist, kann sich telefonisch an Frau Latkowski unter der Rufnummer 030/627318125 oder per E-Mail an >latkowski@genezareth-gemeinde.de<//font> wenden.








