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Promenadenmischung

Die aktuelle und erste Ausgabe April/Mai 2012
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Aktuelle Termine

Nacht und Nebel

Kunst im herbstlichen Schillerkiez

Die Installation an der Hermannstraße. Fotos: S. Engelbrecht
Die Installation an der Hermannstraße. Fotos: S. Engelbrecht

Wer am Samstagabend (5. November) die Hermannstraße in Neukölln entlangfuhr, fragte sich vielleicht, was die vielen bunt angemalten Computerbildschirme und eine seltsame weibliche Schaufensterpuppe am Straßenrand wohl bedeuten. Vor den Ausstellungsräumen von Batman Elektronik standen die Flimmerkisten herum, als würden sie gleich mit einem großen Laster abgeholt und weggebracht. Die Installation war Teil des 10. Kunstfestivals Nacht und Nebel. Besucher konnten dabei auf 130 Veranstaltungen in 110 Orten zwischen Rixdorf und Hasenheide die Vielfalt der Kunst in Nord-Neukölln erleben, mit den Künstlern persönlich ins Gespräch kommen und auf zahlreichen Partys in der Nacht neue Kontakte knüpfen. Das Kunstfestival des Kunst- und Aktionsraums Schillerpalais wurde unter anderem aus Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ und der Bürgerstiftung Neukölln durchgeführt. In diesem Jahr stand vor allem der Zugang der Kunsträume für Menschen mit Handicaps im Mittelpunkt. So warteten denn auch wieder Großraumtaxen darauf, die Nachtschwärmer auf zwei Rundkursen zu den Ausstellungsräumen zu bringen.

Muharrem Batman, Künstler und Elektronik-Fachmann in der Hermannstraße, musste sich glücklicherweise am Samstag nicht so sehr um die Barrierefreiheit in seinen Ausstellungsräumen kümmern. Seine Hauptinstallation stand ja direkt am Straßenrand. Er selbst wartete am Eingang seines Geschäftes auf Besuch. Noch bis 22.00 Uhr wolle er hier sein, dann sei aber Schluss, sagte er. Schließlich begann „sein“ Festival bereits am frühen Abend mit einem gut besuchten Konzert der Band „Querbeet“. Bis spät in die Nacht hatte auch die Galerie präsenzwerk in der Selchower Straße geöffnet. Reinhard Lange vom präsenzwerk setzte in diesem Jahr auf Aktzeichnungen des Künstlers Hans Wallner. In einer weiteren Ausstellung im Moonlicht Atelier waren Kreationen der Künstlerin Conny Kraus sowie Bilder von Mirjam Müller zu sehen.

Nachtschwärmer im Schillerpalais

Viel los war am Samstag auch im Schillerpalais.
Viel los war am Samstag auch im Schillerpalais.

Im Schillerpalais, dem „Herz“ von „Nacht und Nebel“, stand unter anderem die Ausstellung „Inside- Outside“ von Marius Heckmann und Heinz-Jürgen Manzey auf dem Programm. Die Künstler stellten sich dabei die Frage, was „normal“ sei. Ab 21.00 Uhr sorgte dann das kanadische Brüderduo „Rooftop Runners“ für die musikalische Begleitung: „bedrohliche Elektro-Beats vermengt mit folkigen Melodien“, wie es im Programm hieß. Das dichte Gedränge und die teils in englisch oder spanisch geführten angeregten Diskussionen im Kunst- und Aktionsraum zeigten, dass das Programm den Geschmack der Nachtschwärmer traf.

Noch mehr Kunst gab es unter anderem im Froschkönig (FRAUEN.BILDER.BLICKE, Markus Epha), im Kunstschaufenster el41 („Ich kann - ich kann nicht“, Marina Koch, Holger Stück), im LadenAtelier Brennan (Arbeiten in Öl von William Francis Brennan) sowie bei einer Lesung im Café Selig zu erleben.

Geschichte in der Genezarethkirche

Birgit Rettner (r.) und Wolfgang Schnell am Samstag in der Genezarethkirche. Oben sind die Porträts der Opfer des Nacht- und Nebel-Erlasses zu sehen.
Birgit Rettner (r.) und Wolfgang Schnell am Samstag in der Genezarethkirche. Oben sind die Porträts der Opfer des Nacht- und Nebel-Erlasses zu sehen.

Aus der Reihe fiel in jedem Fall die Schau in der Genezarethkirche am Herrfuthplatz, die sich in diesem Jahr mit einem eher traurigen Thema aus der Vergangenheit beschäftigte. Vor fast genau 70 Jahren vollzog Hitler-Deutschland am 7. Dezember 1941 den später so genannten Nacht- und Nebel-Erlass. Als Folge wurden rund 7000 des Widerstands verdächtige Personen aus den besetzten Gebieten im Westen und Norden Europas verschleppt und heimlich abgeurteilt. Viele starben in den Konzentrationslagern der Nazis. Die Angehörigen erhielten keinerlei Auskünfte über den Verbleib der Verschleppten.

Die Ausstellung von Birgit Rettner diente dem Gedenken an die Opfer des Erlasses. Auf großen Fotos im Kirchenraum an der Empore waren Franzosen. Belgier, Niederländer und Norweger zu sehen, die teilweise noch sehr jung waren und die für die Idee der Freiheit und der Humanität ihr Leben aufs Spiel setzten. Die Fotos wurden von Wolfgang Schnell in einem aufwändigen Verfahren digitalisiert. Bildtafeln der Künstlerin Susanne Roth zeigten Symbole unserer Zivilisation. Auf Stelltafeln in einem Nebenraum konnten die Betrachter Kopien von Originaldokumenten über den Nacht- und Nebel-Erlass einsehen. Außerdem gab es Informationen über Wilhelm Keitel und Franz Schlegelberger, deren Verantwortung in den Nürnberger Prozessen festgestellt wurde. Viele Besucher der Ausstellung nutzten auch die Gelegenheit, den französischen Dokumentarfilm „Nacht und Nebel“ (1955) zu sehen.