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Strickereien im Schillerkiez

Gehäkelte Fallrohrwärmer? Oder doch „Yarn-Bombing“ im Schillerkiez?

Kein Schutz gegen den Frost im Berliner Winter. Foto: M. Jespersen
Kein Schutz gegen den Frost im Berliner Winter. Foto: M. Jespersen

Gehäkelte Eierwärmer oder gestrickte Pulswärmer kennt wohl jeder, aber bunt gestrickte Wärmer für Fallrohre von Regenrinnen sind neu im Schillerkiez. Das erste Exemplar ist seit kurzem am Herrfurthplatz zu bewundern. Bombing ist ein Ausdruck in der Sprayer-Szene und bezeichnet das Anfertigen eines Graffitis.

Yarn-Bombing lautet übersetzt so viel wie Strick-Graffiti. Man könnte nun meinen, dass unter dem Motto „anarchisch, flauschig, bunt“ eine subversive Handarbeits-Guerilla Anschläge mit bunten Wollgraffitis gegen die Verödung und Vergrauung des Alltags protestiert. Das beschriebene Phänomen tauchte mittlerweile auch in anderen Städten weltweit auf.

Die flauschigen Tags wurden kürzlich auch im Rahmen einer Reportage im öffentlich-rechtlichen Sender Arte behandelt. Demnach wurde die Sache mit der Wolle in Austin/Texas erfunden. Wer den Begriff einmal im Internet sucht, erhält teils erstaunlich viele Treffer. Demnach umstrickt der Profi das „Opfer“ seiner Wahl direkt vor Ort. Zur Auswahl stehen neben Fallrohen auch Laternenmasten, Fahrradständer oder Treppengeländer.

Wenn die Bedingungen nicht ideal sind, sprich, der Stricker möglicherweise gestört werden könnte, wird das Woll-Graffiti auch zuhause vorbereitet und vor Ort nur schnell festgeheftet. Im Gegensatz zum Farb-Graffiti sind Woll-Graffitis allerdings im engeren Sinne keine Sachbeschädigung, da sie ohne Probleme wieder entfernt werden können – auch wenn das gerade bei einer Regenrinne durchaus viel Mühe macht.

Von Michael Jespersen