Task Force Okerstraße
Lebhafte Diskussion bei Anwohnerversammlung
Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Genezarethkirche im Schillerkiez am Dienstagabend. Das Quartiersmanagement Schillerpromenade hatte gemeinsam mit dem Bezirksamt Neukölln zu einer Anwohnerversammlung in das Gotteshaus am Herrfurthplatz geladen. Rund 400 Bürger waren gekommen um sich über das im November gestartete Projekt „Task Force Okerstraße“ auszutauschen. Nicht alle wollten eine konstruktive Diskussion, am Ende verlief die Veranstaltung aber doch ohne nennenswerte Störungen.
Ziel des beim Bezirk angesiedelten Projektes ist es, eine schnelle und umfassende Hilfe für eine gute Nachbarschaft herzustellen. Immer wieder war es in den vergangenen Jahren besonders in der Okerstraße zu Problemen zwischen Anwohnern gekommen, die zunehmend eben diese Nachbarschaft belasteten. Das seit Anfang November in der Okerstraße angesiedelte Sozialarbeiter-Team soll Ansprechpartner für die Anwohner und Akteure im Kiez sein. Ziel ist es, zunächst Vertrauen zu aufzubauen, für einen kontinuierlichen Schulbesuch von Kindern zu sorgen und adäquate Freizeitangebote zu schaffen. Ein besonderes Augenmerk gilt den Kindern aus Roma-Familien, die bisher keinen Zugang zu der vorhandenen Angebotsstruktur der Kinder- und Jugendeinrichtungen im Kiez gefunden haben.
Die Streetworker werden dabei von Mitarbeitern aus den Fachämtern des Bezirksamtes und des örtlichen Polizeiabschnitts unterstützt. Durch die enge Abstimmung untereinander kann nun bei Problemen zielgerichtet und schnell reagiert werden. Immer wieder war es in den vergangenen Jahren besonders in der Okerstraße zu Problemen zwischen Anwohnern gekommen, die zunehmend eben diese Nachbarschaft belasteten. Auch das Bewohnergremium Quartiersbeirat forderte das QM immer wieder auf, endlich zu handeln.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Hausherrin und Pfarrerin Elisabeth Kruse und der Eröffnungsrede durch Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) erläuterte zunächst die Teamleiterin des QM Schillerpromenade, Kerstin Schmiedeknecht, die Intention die Projektes und deren Entstehungsgeschichte. Neben ihr saßen der Migrationsbeauftragte Neuköllns und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Task Force, Arnold Mengelkoch sowie Murat Acar, Leiter des Sozialarbeiter- und Streetwork-Teams, auf dem Podium. Außerdem nannte Schmiedeknecht erste Schritte zur Umsetzung des Projektes. So eröffnete Anfang November das Team sein Büro in der Okerstraße. Die Sozialarbeiter sollen künftig für die Anwohner rund um die Okerstraße direkt vor Ort verfügbar sein und dadurch schneller vermitteln können.
Zwischenrufe und ein Clown-Besuch
Nicht alle der rund 300 Besucher wollten den Argumenten von Schmiedeknecht folgen. Immer wieder kam es zu Zwischenrufen und teils heftigen Angriffen. Außerdem musste die Diskussion wegen des spontanen „Besuches“ einer Theatergruppe in Clowns-Kostümen kurzzeitig unterbrochen werden. Hausherrin Kruse konnte schließlich die Gegner des Projektes mit viel Ruhe und Besonnenheit zum Verlassen der Kirche bewegen.
Besonders in der linken Szene ist das Projekt ein Reizthema. So gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Befürchtungen, der vorgesehene Austausch von persönlichen Daten zwischen Behörde könne den Datenschutzbestimmungen widersprechen. Nicht beachtet wird hierbei aber, dass der Datenschutzbeauftragte Alexander Dix, von Anfang an eng in das Projekt eingebunden war und bisher keine Einwände gegen die Planungen hatte. Außerdem vermuten die Gegner eine umfassende Kontrolle der Bürger und harte Sanktionen bei Fehlverhalten. „Darum geht es aber doch nicht. Wir wollen den Menschen im Kiez doch helfen, und ihnen direkt und umfassend Unterstützung anbieten“, betonte Schmiedeknecht und fügte hinzu: „Manche Gedankengänge kann ich wirklich nur schwer nachvollziehen“.
Gegen 18.30 Uhr beendete Schmiedeknecht schließlich die Anwohnerversammlung und äußerte die Hoffnung, dass die Diskussion auch in Zukunft fortgesetzt werden könne – und vielleicht eine Annäherung in den teils sehr widersprüchlichen Positionen entstehe.








