Vorurteile haben wir alle

- Eine Frau mit Überraschungen - Intisar Saeed Ahmed Saif. Foto: Ch. Eckelt
Intisar Saeed Ahmed Saif lebt mit Unterbrechungen über 20 Jahre in Deutschland. Sie ist Ingenieurin (Technische Gebäudeausrüstung) und IT-Fachkraft, wohnt und arbeitet im Schillerkiez.
Ulla Hömberg (UH) von der Promenadenpost hat Intisar Saeed Ahmed Saif interviewt:
UH: Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
IS: Ich wollte unbedingt studieren. Das konnte man damals im Jemen nicht.
UH: Sie sind 1986 mit einem Austauschprogramm nach Dresden gekommen. Wie war Ihr erster Eindruck?
IS: In der ersten Zeit hatte ich wenig Kontakt zu Deutschen. Das änderte sich erst nach der Wende. Vorher hatten alle Angst: Die Deutschen dachten, wir sind die sozialistischen Vorzeigestudenten und wir waren natürlich auch vorsichtig, um unseren Aufenthalt nicht zu gefährden.
UH: Sie haben 1992 ihr Studium beendet und sind dann in Ihre Heimat, den Jemen, zurückgekehrt, leben aber heute wieder hier. Warum?
IS: Ich hatte im Jemen gerade ein Ingenieurbüro für Haustechnik aufgebaut, als 1994 der Bürgerkrieg begann. Zunächst versuchte ich noch, die Arbeit weiterzuführen. Das war aber sehr schwierig. 1996 habe ich mich dann für die "Neuordnung" meines Lebens entschieden und begonnen, an der TU Berlin Berufspädagogik zu studieren.
UH: Heute, 10 Jahre später, sind Sie selbstständig und vermitteln Computerkenntnisse an Laien. Sie machen Hard- und Software-Beratung, erstellen und bearbeiten Homepages und schulen Gruppen. Ihre Referenzen nach drei Jahren Selbstständigkeit sind beachtlich.
IS: Ich habe, wie so viele bei mir, im Wohnzimmer angefangen. Es wurde mir schnell klar, dass es für mich schwierig werden würde, das Vertrauen von deutschen Kunden zu gewinnen. Deshalb habe ich mir eine Nische gesucht: Ich arbeite hauptsächlich im multikulturellen Bereich, z.B. für ISI e.V., ein Projekt, das Existenzgründungen akademischer Frauen mit Migrationshintergrund unterstützt.
UH: Sie tragen ein Kopftuch. Das irritiert viele Deutsche. Können Sie etwas dazu sagen?
IS: Der Islam ist meine Religion und ich möchte mich dazu sichtbar bekennen. Deshalb trage ich das Kopftuch. Vorurteile haben wir alle. Man sollte sich aber nicht blenden lassen. Dann erlebt man manchmal Überraschungen und findet Gemeinsamkeiten.
UH: Sie sind Ihre Wege gegangen: Als Frau im Männerberuf, als Jemenitin in Deutschland und auch als allein erziehende Mutter. Wie haben Sie das alles geschafft?
IS: Ich habe früh gelernt zu kämpfen. Auseinandersetzung bedeutet auch Weiterentwicklung.
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