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Promenadenmischung

Die aktuelle und erste Ausgabe April/Mai 2012
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Was bisher geschah

Was bisher geschah: Ein Rückblick auf neun Jahre QM-Arbeit

Foto: Qm
Das Warthe-Mahl am Wartheplatz: Eines der vielen Projekte des Quartiersmanagements.

Die Schillerpromenade zählt zu den größten und bevölkerungsreichsten Quartiersmanagementgebieten Berlins. Bereits im Jahre 1999 wurde es als eines der ersten Gebiete als Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf Teil des Programms Soziale Stadt. Die Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft ist jedoch schon seit 1989 im Vor-Ort-Büro in der Schillerpromenade angesiedelt und konnte damit erste wichtige Grundsteine für die heutige Arbeit des Quartiersmanagements legen. Hierzu gehörte vor allem die Verbesserung des Wohnumfelds.

Im historischen Sinne war das Gebiet zwischen Hermannstraße und Tempelhofer Feld um die Jahrhundertwende als „Insel“ für Besserverdienende im Zentrum des Arbeiterbezirks Neukölln geplant. Die attraktive gründerzeitliche Baustruktur mit dem Grünzug der Schillerpromenade sowie Vergnügungsetablissements wie den Kindl- und Viktoria-Festsälen sollte zahlungskräftige Bewohner anziehen. Die Realität in der Schillerpromenade sah jedoch anders aus. Eine „ausgewogene“ soziale Mischung konnte von Beginn an nicht erzielt werden. Schon seit der Fertigstellung in den frühen 30er Jahren stellten Arbeiter die größte Bevölkerungsgruppe dar. Mit dem vermehrten Wegzug von Industriezweigen spätestens mit der Wende entwickelte sich die Schillerpromenade immer mehr vom Arbeiter- zum Arbeitslosenbezirk mit seinen ihm inhärenten Problemlagen.

Das bestehende QM-Gebiet ist weitergefasst als der historische Teil. Es erstreckt sich bis zum südlichen S-Bahn-Ring. Heute leben in der Schillerpromenade ca. 20.700 Menschen. Über 52% der Bewohner weisen einen Migrationshintergrund auf. 37% von diesen sind nicht in Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft. Einwanderer aus der Türkei stellen mit 32% die größte Gruppe dar. Über 40% der Einwohner beziehen Transfereinkommen - sind also Arbeitslosengeld II-Empfänger bzw. erhalten ergänzende Hilfen zum Lebensunterhalt. Nicht erfasst sind diejenigen, die sich nicht „beim Amt gemeldet haben“ und dies ist in der Schillerpromenade auch keine kleine Gruppe. Die Schuldnerquote ist mit 32% die zweithöchste in allen QM-Gebieten.

Ab 1999 wurde als wichtiger Bestandteil der QM-Arbeit zunächst eine Vielzahl so genannter investiver Maßnahmen durchgeführt - große Baumaßnahmen im Kiez, wie z.B. die Umgestaltung der Schillerpromenade, der Bau des Interkulturellen Kinder- und Elternzentrums sowie des Jugendclubs "YO!22" und dem Anbau der Genezareth-Kirche (Interkulturelles Zentrum Genezareth und das Café Selig). Durch die Baumaßnahmen wurden erste Grundstrukturen für den Ausbau der sozialen Infrastruktur im Gebiet geschaffen. Dies war Voraussetzung für die seit 2005 insbesondere verstärkt in der QM-Arbeit angesiedelten Arbeitsgebiete Bildung, Schule und Integration – hierdurch rückte der Schwerpunkt der Projektförderung auf die Entwicklung und Umsetzung soziokultureller Projekte ins Zentrum.

In diesem Zeitraum entstand das bisher bekannteste und erfolgreichste Projekt aus der Schillerpromenade, die „Stadtteilmütter“. Das Projekt ist als „Exportschlager“ mittlerweile im gesamten Norden Neukölln mit insgesamt 100 beteiligten Stadteilmüttern unterwegs. Über den bewusst niedrigschwelligen aufsuchenden Ansatz können nun Zielgruppen von einem Beratungsangebot profitieren und für Themen der Erziehung sensibilisiert werden, die zuvor schwer bzw. gar nicht erreicht wurden.

Im Rahmen des Projekts des Interkulturellen Elternzentrums (IEZ) und seinen weitreichenden Angeboten konnte für die Eltern im Gebiet parallel zum Einsatz der Stadtteilmütter eine Anlaufstelle für die Familien im Gebiet geschaffen werden.

Neuer Schwerpunkt Familien und Eltern


Mit der Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt der Arbeit mit Familien und Eltern an die Schulen, da hier die Situation in einem besonderen Maße besorgniserregend ist. Der Anteil der Schüler nichtdeutscher Herkunft an den vier im Sozialraum liegenden Schulen liegt teilweise bei bis zu 90%. Die Schulabbrecherquote und die Anzahl der Schuldistanzierten liegen höher als in vielen anderen Gebieten. Über die Schule kann jedoch eine nachhaltige Form der Erziehung und Sozialisation durch pädagogische Einflussnahme aufgebaut werden. Neben Schülerprojekten und Schuldistanziertenarbeit ist der wahrscheinlich wichtigste Ansatzpunkt eine intensive Elternarbeit.

Die Elternarbeit an der Kurt-Löwenstein-Hauptschule kann mittlerweile auf eine Reihe von Maßnahmen im Bereich der Elternarbeit zurückblicken. Über Projekte der aufsuchenden Elternarbeit konnten viele Eltern langfristig an den Schulalltag ihrer Kinder angebunden werden. Um die Elternarbeit als zentralen Bestandteil des Schulstandorts Kurt-Löwenstein-Schule nachhaltig anzubinden, wird derzeit eine feste Anlaufstelle für die Eltern in Form eines Elterncafés geschaffen.

Da Bildung aus Sicht des Quartiersmanagements der Schlüssel einer erfolgreichen Integration ist, gilt es hier, so früh wie möglich, also bei der „Bildungsschmiede“ anzusetzen. Um hier den richtigen Schlüssel anfertigen zu können, bedarf es an den Kitas und den Grundschulen im Gebiet einer ergänzenden Unterstützung durch Projekte des Quartiersmanagements.

In diesem Jahr wurden durch das Projekt „das Interkulturelle Elternzentrum kommt an die Schule“ daher die Angebote des IEZ direkt an die Grundschulen und Kitas im Gebiet angesiedelt, um hierdurch mehr Eltern zu erreichen, und auch die Kitas und Schulen enger mit den bereits bestehenden Angeboten des IEZ zu vernetzen. Das Angebot umfasst unter anderem offene Sprechstunden und Elternwerkstätten, die direkt an den Kitas und Grundschulen angesiedelt sind.

"Elternschule" und intensive Zusammenarbeit

Noch einen Schritt weiter setzt das Projekt „Elternschule“ an der Karl-Weise-Grundschule an. Aufgrund der Tatsache, dass die bestehenden Angebote für Eltern und Familien im Kiez davon ausgehen, dass Eltern von sich aus auf die Angebote zurückgreifen, ist Ziel dieses Projekts, auch die bisher nicht erreichten Eltern bei der Beteiligung am Bildungsweg ihrer Kinder „in die Pflicht“ zu nehmen – so unterschreiben die in die „Elternschule“ aufgenommenen Eltern gleich zu Anfang eine Vereinbarung, in der sie sich zur Kooperation bereiterklären. Durch intensive Betreuung sollen die Eltern ihren Weg „an die Schule“ finden. Umgesetzt wird das Projekt durch ein Team bestehend aus Sozialarbeitern und einem Lehrer, der für einen Teil seiner Arbeitszeit ausschließlich dem Projekt widmet. Dies ist beispielhaft für die derzeit vom Quartiersmanagement angestrebte Vernetzung der Projekte und Akteure auf institutioneller Ebene.

Ganz in diesem Sinne kam es in diesem Jahr im Rahmen eines runden Tischs zur Entwicklung einer so genannten „Task Force“ zu einer besonders intensiven Zusammenarbeit mit entsprechenden Institutionen und Fachabteilungen des Bezirksamts. Ziel des anvisierten Projekts ist, in bestimmten Bereichen im Kiez und auch direkt in Wohnhäusern, die das Miteinander der Kiezbewohner belasten, sowohl präventiv als auch intervenierend tätig zu werden. Das Konzept zu diesem Projekt wird derzeit durch das QM erstellt – und bereits jetzt steht fest, dass die Trägerschaft des Projekts vom Bezirksamt selbst übernommen wird.

Das Quartiersmanagement Schillerpromenade befindet sich nun nach seinem fast zehnjährigem Bestehen inmitten einer Neuorientierung. Als Ausblick der zukünftigen Arbeit des QM steht damit fest, dass sowohl ein Institutionen- und Ämter übergreifender Ansatz für ein nachhaltig wirksames Programm „Soziale Stadt“ dringend notwendig ist. Gerade hinsichtlich des mittlerweile nahezu flächendeckenden Quartiersmanagements in Nord-Neukölln muss das Bilden von Kooperationen im Zentrum unserer Arbeit stehen.

Der Erfolg der gebietsübergreifenden Zusammenarbeit mit drei weiteren QM-Gebieten im Rahmen des Ausstellungsprojekts „Wie zusammen leben – Perspektiven aus Nord-Neukölln“ zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.