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Neuköllner Geschichten nicht nur für Kinder
Comic-Lesung im Café Selig
„Ein Comic? Das ist doch nur was für Kinder!“ – Dieses Vorurteil räumte Anna Faroqhi am Dienstagabend bei einer Lesung ihres Neukölln-Comics „Weltreiche erblühten und fielen. 650 Jahre Geschichte Neuköllns“ gründlich beiseite. Ein Comic ermögliche einen schnelleren und leichteren Zugang zu einem komplexen Thema, sagte die Künstlerin, die ihr Werk im Rahmen der Woche des Besuchs in dem Café am Herrfurthplatz präsentierte. Außerdem sei ihr Comic verhältnismäßig textlastig. Die Zuhörer erfuhren neben zahlreichen Fakten über die Vergangenheit Nord-Neuköllns auch mehr über die Ursachen und Zusammenhänge von Problemen, mit denen die Quartiere heute noch zu kämpfen haben.
Die Lesung wurde vom Quartiersmanagement Schillerpromenade organisiert und aus Mitteln des Programms Soziale Stadt finanziert. Die Filmemacherin, Zeichnerin und Autorin Anna Faroqhi präsentierte dabei gemeinsam mit ihrem Verleger Mario Pscherrer eine der insgesamt 15 Geschichten ihres Buches. Mit dabei waren auch ihre Kinder Sita und Emily. Auf einer Leinwand konnten die Zuhörer zugleich die Zeichnungen aus dem Buch verfolgen.
Neukölln dürfe sich mit dem Titel des verrufensten Stadtbezirkes Berlins schmücken, „in dem finstere südländische Typen mit einem Messer zwischen den Zähnen in dunklen Hausfluren lauern, Lehrer in der gepanzerten Limousine zur Schule eskortiert werden und die Unterschicht die Alkoholverbrauchsstatistik in die Höhe treibt. Was aber ist Neukölln wirklich und wer sind die Neuköllner?“, heißt es etwa in dem Vorwort. Der Comic solle auch eine andere Sicht auf die direkte Umgebung vermitteln und ein neues Selbstbewusstsein der hier lebenden Menschen fördern, sagte Faroqhi. Denn Neukölln habe eine bewegte und spannende Geschichte.
Die Filmemacherin, Zeichnerin und Autorin erzählt in ihrem Comic in Episoden aus 650 Jahren Geschichte Neuköllns. Es wird von Kurfürsten und Kaisern berichtet, die zu faul waren, sich bei der Jagd anzustrengen, von den großartigen Schulen der Weimarer Zeit oder von Gegnern des Naziregimes und ihrem tragischen Schicksal. Fast nebenbei erfährt der Leser und Betrachter der Zeichnungen, wie der Kottbusser Damm im 17. Jahrhundert aussah oder was es mit den Rollbergen auf sich hatte. Einfacher, schneller und anschaulicher lässt sich Geschichte nicht vermitteln.
Dabei erzählt nicht irgendwer die Geschichte Neuköllns. Eine Familie aus der Gegenwart – Faroqhis Familie – führt durch die Episoden. In den Protagonisten Anna, Haim, Prosper, Emily und Sita spiegelt sich die teilweise komplizierte aber auch ungemein bereichernde Multi-Ethnizität Neuköllns wider.
Im Anschluss an die Lesung stellten die knapp 20 Zuhörer viele Fragen. Eines konnte Anna Faroqhi jedenfalls verraten: der Wedding habe Interesse an einem ähnlichen Geschichts-Comic signalisiert. Schön, wenn es noch eine Fortsetzung gäbe.









